Das Waffengrab von Geszteréd und das Problem der germanisch-sarmatischen Beziehungen in der jüngeren Kaiserzeit
Das Waffengrab von Geszteréd zählt leider zu jenen Komplexen, die ohne sichere Fundbeobachtung schon im letzten Jahrhundert ausgegraben wurden. Zum Inventar gehören ein Schildbuckel, eine Lanze und ein Schwert mit reichen Schwertscheidenbeschlägen, Teile eines Pferdegeschirres, Sporen und ein Anhänger aus Bernstein. Aus den vorliegenden Informationen kann sicher erschlossen werden, daß der Tote von Geszteréd in einem Hügelgrab - wohl zusammen mit einem Pferd - bestattet wurde.
Zu den Schwertscheidenbeschlägen, aber auch zum Bernsteinanhänger lassen sich überraschende Parallelen in skandinavischen Moorfunden (Ejsbol), aber auch in mitteldeutschen Gräbern (Haßleben) finden. Dadurch kann zunächst die Datierung des Inventars in die Periode C2 spät (= Ende des 3. Jh.s) gesichert, es kann aber auch in einen gesamteuropäischen Zusammenhang gestellt werden. Vieles deutet darauf hin, daß auch dieses Inventar in die Reihe jener Gräber eingeordnet werden kann, die als Ausdruck der Verbindungen zwischen germanischen und sarmatischen Eliten betrachtet werden müssen (z.B. Herpály, Hévízgyörk).
Als Indiz für enge Kontakte zwischen sarmatischen und germanischen Eliten kann polychrom verzierter Frauenschmuck herangezogen werden, der sich sowohl in der ungarischen Tiefebene als auch in Skandinavien in Mitteldeutschland findet. So werden in den erwähnten Kulturbereichen Almandine und Bernstein auf reichen Fibeln aus Edelmetall verwendet. Die Kontakte zwischen den Stammeseliten dieser Gruppen können somit sowohl in der männlichen als auch in der weiblichen Lebenswelt nachgewiesen werden.
Abschließend sollen einige bemerkenswerte
Funde mit zoomorphen Dekor oder aber die Gußform einer sog. “sarmatischen“
Fibel aus Neunheiligen (Kr. Unstrut-Hainich) gezeigt werden, die das Bild
in sinnvoller Weise vervollständigen.